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Pferde im Winter

Winter und Pferde ist ja so eine ganz eigene Sache.

Kennst du das auch, dass man sich vor lauter Kleidung fast nicht mehr bewegen kann und dann soll man auch noch locker Reiten?

Ich weiss nicht, wie es dir geht, aber was das Reiten und die Arbeit mit Pferden generell angeht, könnte ich auf den Winter verzichten.

 

Aber auch für Pferde birgt der Winter die eine oder andere Herausforderung.

 

Fell

Zunächst einmal ist der Winter für Pferde meist nicht so unangenehm wie für uns, denn sie fühlen sich bei Temperaturen zwischen Minus und Plus 10 Grad wohl. Pferde haben eben auch die Möglichkeit, ihr Fell entsprechend der Jahreszeit anzupassen. Im Winter kommt zum Deckhaar noch die Wollhaare (Unterwolle) hinzu. Die sorgen dafür, dass das Pferd nicht auskühlt. Damit verfügt das Pferd über mehrere Fellschichten.

Mit dem Aufstellen der Haare entwickelt sich eine Insolationsschicht. Jedes Haar ist mit einer Talgschicht umgeben, die dafür sorgt, dass die untere Schicht trocken bleibt und somit auch die Haut des Pferdes.

Das Pferd verfügt über eine perfekte Thermoregulation für die nicht nur das Fell, sondern auch Blutgefäße und Schweißdrüsen verantwortlich sind.

 

Schwitzen

Aufgrund des mehrschichtigen Winterfells mit der Unterwolle schwitzt das Pferd in der Arbeit schnell. Das wäre kein Problem, wenn da nicht der Winter wäre, denn das Fell hält die Feuchtigkeit auch länger im Fell, verglichen zum Sommer. Durch die Feuchtigkeit/ Schweiss kühlt das Pferd aus. Hier gibt es unterschiedliche Strategien:

 

Abschwitzdecken. Sie sorgen dafür, dass die Feuchtigkeit nach aussen geht, die Wärme aber unter der Decke erhalten bleibt. Je stärker das Pferd schwitzt, desto länger dauert es, bis das Pferd wieder trocken ist.

 

Scheren. Durch Scheren wird Fell entfernt, sodass das Pferd vor allem an den geschorenen Stellen schneller trocken ist. Das Problem ist, dass eine Thermoregulation nicht mehr funktioniert. Solche Pferde müssen eingedeckt werden. Je nach Intenstität der Arbeit gibt es verschiedene Schermuster.

 

Ich persönlich versuche im Winter die Arbeit so zu halten, dass eine Abschwitzdecke dafür sorgt, dass das Pferd in ca. 20 Minuten trocken ist, falls es aufgrund des Schwitzens eine Abschwitzdecke benötigt. Das gibt mir eine klare Idee der Arbeit, die ich mit dem jeweiligen Pferd plane. Dazu mehr beim Stichwort "Arbeit".

 

Eindecken

Bitte nicht die Augen rollen. Ich weiss, dass dies ein Thema ist, welches immer wieder auf kontroverse Meinungen stösst und dass es dazu zahlreiche, wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die zeigen, dass ein Pferd nicht eingedeckt werden muss. Das erscheint auch logisch, wenn man an die Thermoregulation denkt.

Unsere Pferde am Pferdehof Duif leben in Aktiv-Robusthaltung, was sehr nahe an eine natürliche Haltung kommt, so wie Pferde es brauchen.

Ich decke trotz des Wissens über Thermoregulation meine Pferde teilweise ein.

Thermoregulation verbraucht Energie. Ich möchte, wenn möglich vorwiegend Raufutter/ Rohfasern (im Winter) füttern. Eine sehr reduzierte und natürliche Fütterung ist wichtig für die Gesunderhaltung des Pferdes. Die Pferde beim Pferdehof Duif erhalten in der Saison, wo kein Gras auf den Weiden zur Verfügung steht, Heu ad libitum mittels Heuraufe und Slowfeeder Netzen.

Gerade bei älteren Pferden kann es sein, dass selbst Heu zur freien Verfügung nicht ausreicht und sie nehmen ab.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass das Aufstellen des Fells mit Decke nur eingeschränkt bis unmöglich ist. Deshalb ist es wichtig, eine Decke zu wählen, die so gut wie möglich den Job der Thermoregulation übernehmen kann. Das kann KEINE Pferdedecke der Welt so gut wie die natürliche Thermoregulation des Pferdes. Eindecken bleibt also ein Kompromiss.

Aber auch jüngere Pferde, die geritten werden bei mir bei kalten Temperaturen/ Wind eingedeckt. Wir dürfen nicht vergessen, dass Pferde nicht für das Reiten gedacht sind. Es kann also passieren, dass Pferde im Winter weniger elastisch. Letztendlich wie wir auch. Ich finde es einfach nicht fair, ein Pferd zu reiten, dessen aufgewärmte Muskulatur (gerade im Rücken) ohne Schutz kälteren Temperaturen ausgesetzt wird. Natürlich gibt es Pferde, die auch ohne Decke im Winter keine Verspannungen zeigen. Hier würde ich auch auf ein Eindecken verzichten.

 

Fütterung

Wer mehr Energie verbrennt, braucht eine erhöhte Energiezufuhr. Das Warmhalten des Pferdekörpers benötigt Energie, die wir zuführen müssen. Heu im Winter kann das nur bedingt. Hier braucht es unter Umständen kalorienreichere Kost. Aber Vorsicht. Kalorienreich ist nicht zwangsläufig gesund. So wie bei unserer Nahrung auch.

Wenn der Energiebedarf erhöht ist, bevorzuge ich auch hier, diesen über Rohfaser zu decken. Getreide bzw. Kraftfutter sind in dem Fall nicht geeignet. Jedes Raufutter (Heu, Stroh, Luzerne) hat einen hohen Rohfasergehalt, sowie Kleie aber auch Öle. Raufutter sorgt ausserdem dafür, dass das Futter gut eingespeichelt wird und mit dem Kauen und Einspeicheln beginnt die Verdauung des Futters. Pferde haben eine sehr sensible Verdauung, die durch die Wahl eines falschen Futtermittels zu Störungen und damit zu gesundheitlichen Einschränkungen führen kann.

Erhält dein Pferd alle Mineralien und Spurenelemente, die es benötigt? Ein Blutbild (nicht nur im Winter), bietet die Aufschluss über die Versorgung deines Pferdes.

Ich empfehle dir, dich von einem Futterexpterten beraten zu lassen und dir mehr Wissen rund um Pferdefütterung anzueigenen. Ich kann dir z.B. Conny Röhm sehr empfehlen.

Ich möchte nochmals auf den Punkt des Abnehmens des Pferdes eingehen. Bitte denke daran, dass wir es heutzutage eher mit Pferdemoppeln zu tun haben. Meist machen sich die Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer mehr Gedanken, wenn das Pferd abnimmt. Dabei ist ein dünneres Pferd gesünder als ein dickeres Pferd. Überprüfe deine Einschätzung. HIER findest du einen Leitfaden zum BCS (Body Condition Score) von der Firma Marstall zum Runterladen.

Lass dich deiner Fütterungsexpertin/ deinem Fütterungsexpterten, deiner Tierärztin/ deinem Tierarzt hinsichtlich des Zustands deines Pferdes beraten. Wenn du die Möglichkeit hast, nutze eine Pferdewaage. Die Ermittlung des Gewichts deines Pferdes liefert wichtige Informationen für deinen beratenden Profi. 

 

Hufe

Hast du schon bemerkt, dass Hufe im Winter langsamer wachsen? Kälte verlangsamt das Hufwachstum. Dennoch ist es wichtig, die Hufe regelmässig bearbeiten zu lassen. Das gilt natürlich das ganze Jahr. Lass dich nicht beirren. Es gibt diverse Hufpflegeprodukte. Ein gesunder Huf braucht keine Pflegeprodukte und gerade äusserlich angewandte Produkte haben nur sehr bedingt die Möglichkeit, den Hufzustand zu verändern. Aber auch ich nutze Huföl, bzw. Huffett. Das vor allem im Sommer, um in der Trockenzeit die Feuchtigkeit im Huf zum Beispiel nach dem Abspritzen länger im Huf zu halten.

Es gibt im Winter immer wieder Fälle von Mauke. Wenn dein Pferd viel Kötenbehang hat, ist die Chance höher, dass das Pferd eine Mauke bekommt. Ich höre immer wieder, dass die Schuld an der Mauke die matschigen Böden oder schlecht gemistete Boxen ist. Beides ist für das Pferd nicht gesundheitsfördernd aber NICHT die Ursache für Mauke. Ursache für viele Krankheiten am und im Huf ist eine Dysbalance im Huf. Dafür verantwortlich ist somit die Bearbeitung, der Beschlag des Hufes und/ oder die Versorgung mit Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen im Futter. Eine "schlechte" Haltung fördert in unserem Beispiel lediglich die Mauke.

 

Arbeit

Der Winter stellt uns aber auch die Pferde  in der Arbeit vor eine grosse Herausforderung.

Ich persönlich fahre das physische Programm im Winter runter und nutze vor allem Equibalance®, um meine Pferde im Winter fit und gesund zu halten. Durch diese natürliche und pferdegerechte Gymnastizierung bleiben sie elastisch, bauen nicht ab und wir können den Winter nutzen, bekannte Themen am Boden und im Sattel zu verbessern.

 

Damit sich Gelenkflüssigkeit bilden kann, die das Pferd vor Verletzungen und Gelenkschäden bewahrt, braucht es - verglichen zu Sommer - eine längere Aufwärmphase. Dazu gehört das Aufwärmen im Schritt. Thermografische Aufnahmen beweisen, dass eine Aufwärmphase aus 20 Minuten Schritt bestehen muss, wenn man Verletzungen oder Schäden vermeiden möchte. Bei unseren älteren Pferden achten wir auf eine Schrittphase von 30 Minuten.

 

Es ist ausserdem erwiesen, dass Pferde, die sich den ganzen Tag frei bewegen können und ausreichend Platz haben, weniger anfällig für Verletzungen und Schäden des Bewegungsapparetes sind. Diese Erkenntnis können wir hier beim Pferdehof Duif aufgrund unser Erfahrung mit der Aktiv-Robusthaltung nur bestätigen.

 

Mein Programm für die Pferde ist für den Winter eher eine Erhaltung. Der Fokus liegt vor allem auf Muskelaufbau und Elastizität. Nebst der physischen Gesunderhaltung ist auch eine Erhaltung oder sogar Verbesserung der mentalen und emotionalen Fitness des Pferdes sehr wichtig. Grössere/ neue physische Herausforderungen gehe ich eher im späten Frühling, Sommer (wenn nicht zu heiss) oder Herbst an.

 

Ich hoffe, dass dir der Blog Artikel gefallen hat. Was ist deine Strategie, damit dein Pferd gesund durch den Winter kommt? Ich freue mich auf deine Kommentare zu diesem Blog Artikel.

 

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