Hilfsmittel der klassischen Bodenarbeit/ Equibalance® - Die Longe - Teil 2/3

Soft Longe mit Lederschnalle von Anja Beran*
Soft Longe mit Lederschnalle von Anja Beran*

In diesem Artikel möchte ich über das Bindeglied der klassischen Bodenarbeit/ Equibalance® schreiben: Die Longe.

 

Wenn wir uns erst einmal bewusst machen, dass die Longe letztendlich die gleiche Funktion wie der Zügel beim Reiten hat, sind wir uns vielleicht einig, dass nicht nur die Wahl der Longe eine große Rolle spielt, sondern vor allem die Longenführung -also unsere Hand- von großer Bedeutung ist.

 

Was mir in Equibalance® Kursen sehr wichtig ist und was immer wieder thematisiert wird, ist die Schulung der Hand -egal ob am Boden oder im Sattel-. Nach meiner Erfahrung wird die Hand viel zu oft und vor allem undifferenziert eingesetzt.

 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Pferde eine ruhige Hand bevorzugen? Und doch ist sie meist viel zu aktiv. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch.

 

Eine Hand (unter anderem) sollte aktiv werden, wenn wir unseren Pferden über das Hilfsmittel der Longe oder des Zügels etwas mitteilen möchten. Es ist für uns so einfach mit der Hand aktiv zu werden, dass wir oft gar nicht mehr merken, dass diese daueraktiv ist. Dabei ist genau das Gegenteil, was passieren sollte. Sie sollte nur genutzt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten der Kommunikation versagen und/ oder wenn eine Aktivität der Hand berechtigt ist.

 

Dazu gehört sehr viel Selbstdisziplin, die aber erlernt werden kann. Dafür eignet sich auch die klassische Bodenarbeit. Was wir bei uns am Boden geschult haben oder schulen, wird uns im Sattel umso einfacher fallen.

 

Wie sieht es aber mit der Wahl der Longe aus. Longen gibt es in unzähligen Ausführungen in Bezug auf Länge, Material und Variante. Die meisten Longen sind ca. 8m lang; es gibt flache oder runde Longen. Longenaus Nylon, Polyester, Leder, Biothane oder Baumwolle. Mit Karabiner oder Schnalle.

Die Longenführung ist Übungssache und individuelle. Letztendlich ist es wichtig, dass eine feine Hilfengebung mit dem Pferd möglich ist.
Longenführung für ein feines arbeiten mit dem Pferd.

Ich persönlich nutze vor allem flache Longen, da diese sich für mich in der Hand besser führen lassen als runde Longen und ich so weniger Material in der Hand habe, vor allem dann, wenn ich nicht die volle Länge nutze. 

 

Softlongen sind außerdem leicht. Wer also lieber mit einer schwereren Longe arbeiten möchte, sollte Baumwolle oder Leder vorziehen.

Ein kleiner Nachteil ist ihre Elastizität. Wer das weitestgehend vermeiden möchte, sollte auf eine Softlonge achten, die dicht (satt) gewebt ist.

 

Persönlich empfinde ich es als Vorteil, wenn der Karabiner sich mitdrehen kann, sodass die Longe sich nicht verdreht. 

Der Nachteil von Longen mit Karabiner ist, dass durch die Verbindung von Karabiner und Ring des Kappzaums Metall auf Metall stößt. Das empfinde ich als etwas störend. Ich selbst habe auch beim Reiten nicht gerne Zügel, die mittels Karabiner an den Gebissring verschnallt werden -auch wenn es sehr praktisch ist-. 

      

Aus diesem Grund ist eine Longe mit einer Schnalle wie hier als erstes Bild gezeigt, einer meiner persönlichen Favoriten.

 

Je nach Gebrauch lohnt es sich über Kurzlongen nachzudenken. Gerade wenn man auf kurzer Distanz arbeiten möchte, sind Kurzlongen sehr praktisch. Das ist der Fall, wenn wir bestimmte Aufgaben präzisieren möchten, wenn wir die Arbeit mit dem Pferd an der Hand auf eine größere Distanz ausweiten möchten oder wenn das Pferd für bestimmte Aufgaben durch unsere Nähe eine größere Unterstützung benötigt.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass geringere Distanzen in höheren Gangarten dem Pferd einen höheren Grad an Balance und Versammlung abverlangen. Dies ist unbedingt zu berücksichtigen. 

Kurzlongen kommen deshalb bei mir eher bei fortgeschrittenen Pferden zum Einsatz. 

Darüber hinaus bieten sie naturgemäß nicht das große Spektrum einer Distanzvariation, wie es längere Longen bieten.

 

Das Tragen von Handschuhen

Da scheiden sich die Geister. Persönlich nutze ich Handschuhe ausschließlich bei kühlen oder kalten Temperaturen. Das gilt auch für das Reiten. Letztendlich muss das jede/ jeder selbst entscheiden. 

Mir ist bewusst, dass es um das Vermeiden von Verletzungen geht. In diesem Zusammenhang bin ich der Meinung, dass wir lernen sollten, die Ursache für das unerwünschte Verhalten rauszufinden und dies anzugehen. 

 

Ein Pferd, welches so stark in das Seil zieht, dass ich Handschuhe tragen muss, um keine Brandblasen oder andere Verletzungen zu haben, gehört nicht an die Longe. Die klassische Bodenarbeit/ Equibalance ist eine verfeinerte Arbeitsweise. 

Besitzern von Pferden, die aus welchen Gründen auch immer solche oder ähnliche Verhaltensweisen zeigen, empfehle ich, dies mit Bodenarbeit im Sinne von Parelli Natural Horsemanship zu lösen, da hier meist eine fehlende Basis von Kommunikation auf BEIDEN Seiten die Ursache ist.

Zusammenfassung

Gerade bei Longen empfehle ich, auszuprobieren und zu fühlen, womit man sich aber natürlich auch das Pferd wohlt fühlt. Die Longe sollte zum Pferd und seinem Ausbildungsstand passen. 

Je leichter die Longe, desto höher ist der Ausbildungsstand des Pferdes. Bedenken Sie eine Longe, die nur wenige Gramm wiegt und so dünn wie ein Schnürsenkel ist. Würden Sie diese eher für ein ausgebildetes Pferd oder für ein Pferd wählen, welches am Anfang seiner Ausbildung steht? 

Das gilt natürlich auch umgekehrt. Ein gut ausgebildetes Pferd in Kombination mit einem schweren Seil/ Longe passen ebenfalls nicht zusammen. 


Lassen Sie gerade am Anfang das Gewicht der Longe oder des Seils für sich arbeiten. 

Schwere Longen vermitteln dem Pferd eine gewisse physische Präsenz, die dennoch verglichen mit einer physisch präsenten Hand viel neutraler ist.


Im nächsten und letzten Teil Hilfsmittel der klassischen Bodenarbeit/ Equibalance® geht es um die Peitsche.


Den ersten Artikel (Kappzaum) verpasst? Kein Problem. HIER geht es zur Übersicht aller Blogartikel.


* Bei allen hier erwähnten Produkten handelt es sich nicht um Werbung. Ich erhalte nichts für die Empfehlungen. Es sind rein Erfahrungswerte meinerseits und sollen die Leserin/ den Leser lediglich bei einer etwaigen Kaufentscheidung unterstützen.

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